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Revolutioniert die Dolorografie die Schmerzdiagnostik?

Eine Zusammenstellung aus verschiedenen Abstrakten Bildkarten kann künftig die Schmerzdiagnostik erleichtern. Das „Dolorografie“ (von lat. Dolor, Schmerz, und gr. γράφω grapho, schreiben, zeichnen) getaufte Konzept soll die Kommunikation zwischen Arzt und Patient um eine Ebene jenseits der Sprache erweitern und so zielgenauere Diagnosen und Therapien erlauben.

„Auf einer Skala von 1 – kein Schmerz – bis 10 – schlimmster vorstellbarer Schmerz – wie schlimm schätzen Sie Ihre Schmerzen ein?“ – „Wo empfinden Sie Ihren Schmerz?“ – „Ist der Schmerz eher dumpf oder spitz? Pochend oder dauerhaft?“ Wer einmal mit Schmerzen unklarer Ursache beim Arzt war oder gar unter chronischen Schmerzen leidet, wird Fragen wie diese vielleicht kennen. Sie sollen dem behandelnden Arzt Anhaltspunkte an die Hand geben, das Schmerzgeschehen besser beurteilen zu können – Nur: Auch wenn Fragen dieser Art zum Standardrepertoire eines jeden Mediziners gehören, der regelmäßig mit Schmerz-Symptomatik konfrontiert wird, so reicht Sprache meist kaum aus, um das Schmerzempfinden wirklich zutreffend abzubilden.

Sabine Affolter und Katja Rüfenacht initiierten deshalb im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Universität der Künste Bern das Projekt der Dolorografie. Sabine Affolter führte dieses Projekt auch nach ihrem Abschluss weiter. Es wurde eine Reihe an Bildkarten entwickelt, deren Auswahl und Anwendung in drei sukzessiven Feldstudien verfeinert wurde.

Am Ende dieser Studien steht nun ein Set mit 70 abstrakten Bildern, welche das Gespräch zwischen Arzt und Patient um eine Ebene jenseits der Sprache erweitern und so die Defizite des sprachlichen Mediums auszugleichen sollen. Patienten kann damit geholfen werden, ihr Empfinden besser zu beschreiben. Der Patient bekommt die Karten in zufälliger Reihenfolge vorgelegt und wird gebeten, jene auszuwählen, die seiner Schmerzempfindung am ehesten entsprechen und seine Auswahl zu begründen.
Das Konzept der Dolorografie hat auch die Jury des Schweizer Design Preises 2013/2014 überzeugt. Der mit 15000 CHF (etwa 12400 €) dotierte Preis wurde dem Projekt in der Kategorie Research zugesprochen.

Mit der Dolorografie wird Therapeut wie Schmerzpatienten ein Weg an die Hand gegeben, sich besser über Schmerz verständigen zu können. Größer angelegte, klinische Vergleichsstudien stehen zwar noch aus, aber schon jetzt darf man auf eine bessere Arzt-Patienten-Kommunikation und entsprechend effektivere Therapien hoffen, die durch die Dolorografie möglich werden.

 

Quellen: www.designpreis.ch, www.dolorografie.ch

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