Was ist Sucht?

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Suchterkrankungen sind ernstzunehmende, chronische Erkrankungen, die für die Betroffenen häufig weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Sie bleiben oft lange Zeit unbemerkt und sind in allen Gesellschaftsschichten verbreitet. Die körperlichen Folgeerscheinungen von Suchterkrankungen stehen zumeist in direktem Zusammenhang mit dem Suchtmittel. Psychische und soziale Auswirkungen folgen in so gut wie allen Fällen von Suchterkrankungen: viele Menschen verlieren z.B. ihren Job und erleben massive Konflikte innerhalb ihrer Familien oder ihres Freundeskreises. Das Abrutschen in die soziale Verwahrlosung oder Obdachlosigkeit wird zur realen Bedrohung.

Das Suchtmittel beherrscht das Leben von Betroffenen zur Gänze. Für Nicht-Betroffene ist es nur sehr schwer vorstellbar, wie stark sich dieses Verlangen nach einem Suchtmittel entwickeln kann. Ein Teil der Suchterkrankung ist leider auch, dass viele Betroffenen erst sehr spät erkennen, dass sie ihr Problem aus eigener Kraft nicht mehr lösen können und daher dringend professionelle Unterstützung benötigen würden. Viele Betroffene verlieren in Folge des sozialen Absturzes ihre Selbstachtung, verfallen in eine Depression und erleben oft eine tiefgehende Persönlichkeitsänderung. Suizide sind aufgrund der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit bei Abhängigen nicht selten.

Eine Abhängigkeit kann sich je nach Suchtmittel unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark entwickeln. Wer einmal abhängig ist, bleibt es, selbst wenn er abstinent lebt. Das bedeutet, dass Betroffene auch nach jahrelanger Abstinenz wieder rückfällig werden können. Bei zahlreichen illegalen Drogen kann sich eine Abhängigkeit relativ schnell einstellen, z.B. bei Heroin. Bei Alkohol zeigt sich hingegen oft ein eher schleichender Verlauf. Viele Betroffene haben über Jahre immer mehr und immer öfter getrunken, so dass sich schließlich eine Sucht entwickelt hat.

Ursachen der Sucht

Die Entstehung einer Suchterkrankung ist nie die Folge eines einzelnen persönlichen Traumas. Oft scheint die Summe aus vielen zufälligen und traumatischen Begebenheiten in Zusammenhang mit vielen anderen Faktoren eine Rolle zu spielen. Das soziale Umfeld eines Menschen trägt maßgeblich zur Entwicklung der Persönlichkeitsstruktur bei. Auch die Suchtmittel selbst, ihre Erreichbarkeit sowie Wirkweisen, sind beeinflussende Faktoren. Die Suchterkrankung ist somit eine ernstzunehmende, chronische psychiatrische Erkrankung und Betroffene sind auf professionelle ärztliche und psychosoziale Unterstützung angewiesen.

Bild: Ursachendreieck modifiziert nach Loviscach (2000)

Suchtursachen Ursachendreieck

Suchtmittel und Suchtverhalten

Suchterkrankungen sind sehr vielfältig. Grundsätzlich wird zwischen „substanzbezogenen“ Suchtformen, also der Abhängigkeit von einem bestimmten Suchtmittel und „handlungsbezogenen“ Suchtformen, darunter versteht man die Abhängigkeit von einer bestimmten Handlung, unterschieden.

Bei den Suchtmitteln kann wiederum eine Einteilung in legale und illegale Substanzen getroffen werden. Die legalen Genussmittel, die durchaus gesundheitsbeeinträchtigende Folgewirkungen auslösen können, sind z.B. Kaffee, Schokolade bzw. ganz allgemein Nahrungsmittel; zu den legalen Suchtmitteln wiederum zählen Alkohol, Nikotin oder ordnungsgemäß verordnete Medikamente (z.B. Amphetamine, Barbiturate, Tranquilizer, Betäubungsmittel). Zu den illegalen Suchtmitteln, die zu ernsthaften Abhängigkeiten führen können, zählen Cannabisprodukte, wie z.B. Haschisch und Marihuana; Halluzinogene wie z.B. LSD, Kokaprodukte wie z.B. Kokain und Crack; Opiate wie z.B. Heroin und zahlreiche sogenannte Designerdrogen wie z.B. Ecstasy. Bei allen stoffgebundenen Abhängigkeiten besteht die Gefahr einer akuten Vergiftung durch eine Überdosis des legalen oder illegalen Suchtmittels. Bei vielen Suchtmitteln besteht dabei eine akute Lebensgefahr.

Von handlungsbezogenen Süchten oder auch stoffungebundenen Suchtformen sind insbesondere Jugendliche betroffen. Zu den bekannten stoffungebundenen Süchten zählen z.B. Essstörungen wie Magersucht und Bulimie, Internetsucht, Kaufsucht, Spielsucht, Sexsucht und einiges mehr. Durch diese zwanghaften Verhaltensformen können teils gesundheitliche Störungen hervorgerufen werden, vor allem aber stehen schwerwiegende soziale oder psychische Folgeschäden im Vordergrund. Die psychische Abhängigkeit ist bei stoffungebundenen Süchten sehr stark ausgeprägt.

Definition von Sucht durch die WHO

Die Weltgesundheitsorganisation beschäftigt sich mit dem weltweiten Auftreten von Suchterkrankungen und den unterschiedlichen Suchtmitteln. Die konkrete Definition einer Sucht- oder auch Abhängigkeitserkrankung (seit einigen Jahren wird das Wort Sucht durch den Begriff Abhängigkeit ersetzt) wird von der WHO wie folgt formuliert: „Wiederholter Konsum einer oder mehrerer psychoaktiver Substanzen, der zu einer periodischen oder chronischen Vergiftung führt (psychoaktiv: auf den Menschen, seine Wahrnehmung, sein Erleben und Verhalten einwirkend). Der Abhängige hat einen starken Drang die Substanz zu sich zu nehmen, sodass es für ihn schwierig ist den Konsum zu kontrollieren oder die konsumierte Menge zu reduzieren. Toleranzentwicklung und Entzugssymptome sind vorhanden.“

Auf europäischer Ebene wird die Arbeit der WHO durch die Einrichtung der EMCDDA (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction) unterstützt. Die Mission dieser EU-Agentur liegt in der Bereitstellung von validen Informationen zum Thema Abhängigkeitserkrankung. Ihr vorrangiges Ziel ist die Unterstützung von EU-Mitgliedsländern bei der Strategieentwicklung im Gesundheitsbereich sowie in der Bekämpfung von Drogenhandel und -missbrauch. Durch das Bereitstellen von fundierten wissenschaftlichen Daten soll darüber hinaus das Verständnis für Abhängigkeitserkrankungen verbessert werden.

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